Flunterns Turnfahrt

«Von der Terrasse des Zürichbergs grüsst schon das neue Schulhaus herab auf die Stadt. Noch tront es allein auf seiner Höhe. Auf dem ganzen Abhang wird der edle Fluntermer gezogen. Nur ein kleines sonniges Plätzchen dehnte sich unter ihm aus. Was ist’s denn mit diesem Fleckchen Erde? Nun, es ist die Wiege des Turnvereins Fluntern….
Ist’s nicht köstlich, im Morgengrauen hinauszuwandern, nach dem Takte der Trommel? Wie stolz marschiert man nicht durch das kleinste Dörfchen und schickt kecke Grüsse zu den Fensterlein der drallenen Landpommeränzchen. – ‹Abteilung halt›. Ein Znüni wird eingenommen. Der schüchterne junge Turnersohn, der daheim in Fluntern die Agnes oder s’Linerl kaum anzureden wagt, streicht hier nun kühn dem Wirtstöchterlein nach, um ein klein wenig zu scharmuzieren. Der Durst ist prächtig und so heisst‘s gewöhnlich: ‹Wir nehmen noch eins›. Doch das Kalbfell schlägt Sammlung und fort geht’s, dass die Strassen nur so widerhallen von dem strammen Tritt.»

Emil Fischli, Chronik des Turnvereins Fluntern, Zürich 1808